{"id":25581,"date":"2016-05-11T12:31:54","date_gmt":"2016-05-11T10:31:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elmar-schmidinger.at\/hk5\/projekt\/bildungshaus-st-arbogast\/"},"modified":"2025-10-08T14:00:42","modified_gmt":"2025-10-08T12:00:42","slug":"bildungshaus-st-arbogast","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/projekt\/bildungshaus-st-arbogast\/","title":{"rendered":"Bildungshaus St. Arbogast, G\u00f6tzis"},"content":{"rendered":"<p><strong>In einer zauberhafter Landschaft entstand ein &#8222;Lehrbeispiel\u201c zeitgen\u00f6ssischer Architektur, das \u00f6kologischen Prinzipien folgt.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEin Jugend- und Bildungshaus der katholischen Kirche wurde um ein Geb\u00e4ude mit Seminarr\u00e4umen und Veranstaltungss\u00e4len, Werkst\u00e4tten und B\u00fcros erweitert.<\/p>\n<p>Die Lage, die Lage, Lage! w\u00fcrden Makler rufen. Aber hier gibt es nichts zu verkaufen. Hier hat die Kirche ihr altes Wirtschaftsgeb\u00e4ude abgerissen und durch einen beachtlichen Neubau ersetzt, der \u00fcber der Hangkante hoch aufragend, das Geb\u00e4udeensemble aus Kirche und vorhandenen G\u00e4steh\u00e4usern zum Tal abschlie\u00dft. Gleichzeitig schneidet es durch einen H\u00fcgel zur Bergseite einen Platz aus, der die hier tagenden, lernenden oder meditierenden G\u00e4ste zum zwanglosen Austausch anregt. Eine hohe Arkade auf schlanken Stahlst\u00fctzen, die sich an dem hangw\u00e4rtigen Geb\u00e4udeschenkel als Rampe fortsetzt, bildet den \u00dcbergang zur geschlossenen Architektur. Und als sollte das auf hoher Warte thronende Haus dem Gast den zauberhaften Ausblick, der sich beim Aufstieg (gut: bei der Anreise) angek\u00fcndigt hat, nicht vollst\u00e4ndig verstellen, \u00f6ffnet sich die Treppenhalle mit der Cafeteria zur Talseite, was der festen Burg eine einladende Transparenz und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit verleiht.<br \/>\n~<\/p>\n<p>Ein eigenes Thema sind die Fassaden. Ihre Befensterung ist nat\u00fcrlich von den dahinterliegenden Nutzungen der R\u00e4ume und der Himmelsrichtung diktiert. Dennoch schafften es die Architekten, ihre der schlichten Vernunft verpflichtete Entwurfsr\u00e4son zu einem anregenden Zweiklang aus geschlossenen wei\u00dfen Fl\u00e4chen, bisweilen von ideal geschnittenen \u00d6ffnungen durchbrochen, und gro\u00dfz\u00fcgigen Glasfeldern, die von einer Reihe kr\u00e4ftiger Fensterpfosten gehalten werden, zu stimmen. | Die verglasten Raster belichten beispielsweise auf der Talseite den \u00fcber zwei Geschosse reichenden Speiseraum sowie einen zweiten gr\u00f6\u00dferen Speiseraum an der Stirnseite, zur Hofseite l\u00e4uft die Pfosten-Patrouille der Foyerverglasung im Obergescho\u00df des Fl\u00fcgelbaus weiter. Dadurch erm\u00f6glicht der helle Flur eine zweiseitige Orientierung der Werkr\u00e4ume. Statt nach au\u00dfen blo\u00df die Harmonie einer \u00e4sthetischen \u00dcberzeugung darzustellen, entwickelt sich auf den Au\u00dfenw\u00e4nden ein Dialog aus der Konzentration der Massen und Fl\u00e4chen \u2013 entsprechend der R\u00e4ume f\u00fcr Gruppen oder einzelne Nutzer. Die Architektur reiht sich damit in die fortgeschriebene Tradition der Moderne. Die kleinen \u00d6ffnungen und gro\u00dfen Fensterfl\u00e4chen zeigen, dass die hier wohnenden und arbeitenden Menschen Individuen sind, als Gruppe aber gleiche Interessen verfolgen k\u00f6nnen. Weder sture Hierarchie noch neutrale Unbestimmtheit pr\u00e4gen die Tektonik des Geb\u00e4udes: Tragen und Lasten, Dienen und Bedientwerden, Geborgensein und Weltoffenheit werden einsichtig und mit Leichtigkeit dargestellt. (Vielleicht sollte Ungers sich hier einmal zu Exerzitien einfinden.) Da akzeptiert man auch, dass dem Fassadenrhythmus zuliebe ein Raum ein rundes Fenster, gro\u00df wie ein Vollmond, bekommen muss. Und andere kompositorische Entscheidungen.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich besteht St. Arbogast nicht nur aus geschickt arrangierten Fassaden. Auch die R\u00e4ume gefallen durch lichte Neutralit\u00e4t, wie man sie sich f\u00fcr ein Seminarhaus w\u00fcnscht. Im Zentrum liegt die im Bereich der Cafeteria \u00fcber zwei Geschosse reichende Treppenhalle, die auch Sitzgruppen, Garderoben und Empfangstresen aufnimmt. Sie stimmt auf die Weite ein, die sich dann hinter den verschlossenen T\u00fcren der einzelnen R\u00e4ume fortsetzt. Das Kapital ist nat\u00fcrlich die Landschaft, deren \u201eNahaufnahme\u201c in den Seitenfenstern des gro\u00dfen Speisesaale etwa wie in einem jahreszeitlichen ver\u00e4nderlichen Wechselrahmen erscheint. | Die Hallendecke wird von der Untersicht des flachen Pultdaches (Sparren mit dazwischenliegender wei\u00dfer Lattung, die zur Wand hin von sehr schmalen Leuchtstofflampen unterbrochen ist) bestimmt. Geschickt, wie die gl\u00e4sere Hoffassade knapp an der Deckenkante des oberen Treppenfoyers vorbeif\u00fchrt: Eine waagrechte Sprosse liegt knapp \u00fcber dem Parkettboden, sch\u00fctzt damit wie eine Fu\u00dfleiste und st\u00f6rt dennoch nicht die beabsichtigte schwebende Offenheit der Halle.<\/p>\n<p>Solche selbstverst\u00e4ndlichen \u00dcberlegungen, \u00fcbersetzt in anmutige Details, begleiten alle R\u00e4ume. Im Speisesaal sind es die sich musikalisch dem Licht entgegenstaffelnde Decke aus wei\u00dfen Gipskartontafeln (die die L\u00fcftung verbergen) oder die entsprechend der Momentenlinie bogenf\u00f6rmig verst\u00e4rkten Leimholzpfosten des hohen Fensters. Im Untergescho\u00df zu erw\u00e4hnen sind die Personalappartements, die von der schlanken Fensterteilung bis zu neutralen, gut dimensionierten M\u00f6blierung f\u00fcr den zeitweiligen Aufenthalt von Bewohnern mit unterschiedlichen Erwartungen geschaffen sind. Auch die Seminarr\u00e4ume und B\u00fcros im Obergescho\u00df besitzen diese unauff\u00e4llige Besonderheit einer angenehmren Innenarchitektur, im (schiefwinkligen) Veranstaltungssaal ist es zus\u00e4tzlich die statische Unterspannung der Holzbalkendecke, die die G\u00e4ste vielleicht einen Augenblick \u00fcber die einfache Qualit\u00e4t zeitgem\u00e4\u00dfer Architektur nachdenken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>| Dies k\u00f6nnte das unausgesprochen Prinzip des Bildungshauses sein. Es w\u00fcrde zur verantwortlichen Vorbildfunktion passen, mit der es durch umweltbewusstes Wirtschaften die \u00f6kologische Verpflichtung der Architektur fortsetzt. Dies gelte es noch nachzutragen: Mit 40 Zentimeter starken Ziegelw\u00e4nden, einer Dreifachverglasung (bei den feststehenden Scheiben), einer automatischen Holzschnitzelbefeuerung, einem Lichtkonzept, das zwischen Energieeinsparung und Atmosph\u00e4re (durch dimmbare Halo-Deckenfluter und Leuchtstoffr\u00f6hren) vermittelt, durch Regenwassernutzung, W\u00e4rmetauscher und&nbsp; (k\u00fcnftig) Sonnenkollektoren beweist es, dass angemessene Architektur immer \u00f6kologisch ist. Dass eine katholische Institution diesen Auftrag aus ihrer besonderen Verpflichtung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung ableitet, kann einem fast wieder Hoffnung f\u00fcr die Kirche geben. ||<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer zauberhafter Landschaft entstand ein &#8222;Lehrbeispiel\u201c zeitgen\u00f6ssischer Architektur, das \u00f6kologischen Prinzipien folgt. Ein Jugend- und Bildungshaus der katholischen Kirche wurde um ein Geb\u00e4ude mit Seminarr\u00e4umen und Veranstaltungss\u00e4len, Werkst\u00e4tten und B\u00fcros erweitert. Die Lage, die Lage, Lage! w\u00fcrden Makler rufen. Aber hier gibt es nichts zu verkaufen. Hier hat die Kirche ihr altes Wirtschaftsgeb\u00e4ude abgerissen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":37661,"template":"","tags":[375],"publik":[975],"projekt-art":[957],"projekt-land":[938],"projekt-status":[943],"projekt-kategorie":[918],"projektphase":[858],"class_list":["post-25581","projekt","type-projekt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-bildungshaus","publik-projektbeschreibung","projekt-art-neubau","projekt-land-oesterreich","projekt-status-fertiggestellt","projekt-kategorie-bildung","projektkategorie-bildung","projektkategorie-gewerbe-handel","projektkategorie-oeffentlich","projektkategorie-sport","projektkategorie-verwaltung","projektphase-arbogast"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt\/25581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projekt"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25581"},{"taxonomy":"publik","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/publik?post=25581"},{"taxonomy":"projekt-art","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-art?post=25581"},{"taxonomy":"projekt-land","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-land?post=25581"},{"taxonomy":"projekt-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-status?post=25581"},{"taxonomy":"projekt-kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-kategorie?post=25581"},{"taxonomy":"projektphase","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projektphase?post=25581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}