{"id":26151,"date":"2016-05-11T12:58:40","date_gmt":"2016-05-11T10:58:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elmar-schmidinger.at\/hk5\/projekt\/st-gerold-herberge-und-riegelbau\/"},"modified":"2026-03-04T16:11:18","modified_gmt":"2026-03-04T15:11:18","slug":"st-gerold-herberge-und-riegelbau","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/projekt\/st-gerold-herberge-und-riegelbau\/","title":{"rendered":"Propstei St. Gerold &#8211; Herberge, St. Gerold"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Bauen an der Geschichte \u2013 Erweiterung Propstei St. Gerold.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Propstei Sankt Gerold war in den 1960er-Jahren bauf\u00e4llig und unternutzt. Seit jedoch Pater Nathanael Wirth die F\u00fchrung \u00fcbernommen hatte, entwickelte sie sich zu einem Ort der Begegnung und der Kultur. Und die G\u00e4ste blieben nicht aus: Kulturfestivals sind heute ebenso Bestandteil der Propstei wie Feste und Hochzeiten. Doch die baulichen Strukturen hinkten der Attraktivit\u00e4t nach, versch\u00e4rfte Vorschriften erschwerten die wirtschaftliche Nutzung der R\u00e4ume, der Gastronomietrakt musste erneuert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr waren zahlreiche Eingriffe in die historische Substanz n\u00f6tig. Doch wie sieht eine Architektur aus, die sich den Anforderungen der heutigen Zeit stellt und die gleichzeitig die Geschichte des Klosters respektiert? Die Benediktinerpropstei steht seit rund 1000 Jahren in Sankt Gerold. An ihr weiterzubauen bedeutet, sich in die Geschichte des Ortes einzuschreiben: Ein heikler Balanceakt zwischen Bewahren und Erneuern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u00bbDie G\u00e4ste sind begeistert, wie das Neue mit dem Alten korrespondiert und gut zusammenpasst. Die klaren, schlichten Formen und das nat\u00fcrliche Material Holz schaffen angenehme R\u00e4ume.\u00ab<\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Bauherr Propst Kolumban Reichlin<\/h5>\n\n\n\n<p>Der Orden der Benediktiner vereint Geistliches und Weltliches miteinander: Im ber\u00fchmten Grundsatz \u201eOra, labora und lectio divina\u201c ist die Ordensregel in einer Kurzform zusammengefasst. Sie besagt, dass Gebet, Weiterbildung und manuelle Arbeit ein ganzheitlicher Weg sind zu einem erf\u00fcllten Leben, das bei Gott seine Vollendung findet. Diesem Grundsatz folgt auch die benediktinische Propstei Sankt Gerold und deren Mutterhaus, das Kloster Einsiedeln in der Schweiz.|<br>~<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klosteranlagen spiegeln dieses arbeitsame und disziplinierte Leben wieder. Als Bauanleitung dient der ber\u00fchmte St. Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert. Neben Kirche und Klausur sind darauf zahlreiche Wirtschaftsbauten und Handwerksbetriebe eingezeichnet. Gartenanlagen und landwirtschaftliche Fl\u00e4chen verweisen auf die weitgehende Selbstversorgung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Erbe verwalten<\/strong><br>Die Propstei Sankt Gerold ist offen f\u00fcr G\u00e4ste: Die Klosteranlage liegt auf einem Gel\u00e4ndesattel an der steilen Nordflanke des Gro\u00dfen Walsertals. Diese au\u00dferordentliche Lage nutzen Seminar- und Kursg\u00e4ste, Urlauber, Kinder und Erwachsene, die zum therapeutischen Reiten in die Propstei kommen sowie Gesellschaften f\u00fcr Hochzeits- und Familienfeiern. Der Hotelbetrieb und die Gastronomie bilden das wirtschaftliche Fundament des Hauses. Ein kulturelles Programm mit Konzerten, Lesungen und Vortr\u00e4gen erg\u00e4nzt das Angebot vor Ort. Da die bestehende Infrastruktur teils \u00fcberaltert und st\u00f6rungsanf\u00e4llig geworden ist, ist eine Gesamtsanierung unumg\u00e4nglich, damit nach den Worten von Propst Kolumban Reichlin \u201edie Propstei mit ihrer tausendj\u00e4hrigen Geschichte langfristig ideell und materiell auf solidem Fundament weiterbestehen kann\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits in fr\u00fcheren Umbauten haben die Pr\u00f6pste bewiesen, dass sie in der Lage sind, mit diesem wertvollen Erbe umzugehen. In der langen Reihe der sensiblen Eingriffe stechen die Friedhofsmauer aus Stampflehm von Martin Rauch aus dem Jahre 1994, die vom Luzerner Architekt Arnold St\u00f6ckli (1909 \u2013 1997) in der n\u00fcchternen Sprache der 1960er-Jahre erneuerte Kirche und das Altarbild des Ostschweizer K\u00fcnstlers Ferdinand Gehr (1896 \u2013 1996) von 1966 hervor. All diese Eingriffe haben das Kloster gepr\u00e4gt \u2013 die Bausubstanz befindet sich in einem steten Wandel. |<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Weg in die Zukunft<\/strong><br>In sechs Etappen soll nun die bauliche Basis f\u00fcr den weiteren Betrieb entstehen: Die erste Etappe beinhaltete die Erneuerung der Gastronomie. In einem zweiten Schritt erg\u00e4nzen zus\u00e4tzliche G\u00e4stezimmer die Herberge. Die dritte Etappe umfasst den n\u00f6rdlich gelegenen Riegelbau mit Dienstwohnungen. Erst in der vierten Phase ist das Haupthaus an der Reihe: \u00dcber Jahrhunderte haben Eingriffe die Grundrisse verstellt und die wertvolle Substanz bedr\u00e4ngt. Es entstand ein Nebeneinander von Strukturen, die dem jeweiligen Zeitgeist folgend neue Nutzungen integrierten. Nach dem vierten Schritt wird sich das Haupthaus wieder in seiner urspr\u00fcnglichen Anordnung und Anmutung zeigen. Zum Abschluss sind im f\u00fcnften und sechsten Bauabschnitt die Sanierung des f\u00fcr Seminare und Hochzeitsbankette genutzten \u201eWyberhuses\u201c und der Kirche vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Etappe wurde im Sommer 2015 abgeschlossen. Sie beinhaltet die Erstellung neuer Parkpl\u00e4tze, bauliche Anpassungen beim Kuhstall, den Bau einer neuen K\u00fcche, neuer Gastro- und Lagerr\u00e4ume sowie eines neuen Gastgartens und Klosterladens. Der Klosterhof wurde ebenfalls neu gestaltet und barrierefrei ausgef\u00fchrt. Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung erfolgte im zentralen Trakt zwischen Klosterhof und den landwirtschaftlichen Bauten. An dieser Nahtstelle zwischen den beiden Bereichen treffen sich geistliche und weltliche G\u00e4ste. Oder um es im Geist der Benediktsregel auszudr\u00fccken: zwischen orare und laborare liegt celebrare \u2013 das Feiern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pr\u00e4zision und Angemessenheit<\/strong><br>Dass der Umbau der Gastronomie sich heute so selbstverst\u00e4ndlich in die Klosteranlage einf\u00fcgt, ist Resultat einer umsichtigen Planung: Der Eingriff in die historische Bausubstanz war tief, denn der Klosterladen im ehemaligen Tenn liegt unter Terrain. Um gen\u00fcgend Tageslicht ins Innere zu f\u00fchren, musste die Decke weichen und Platz f\u00fcr einen zweigeschossigen Raum schaffen. W\u00e4hrend der Bauarbeiten klaffte eine riesige L\u00fccke im langgezogenen \u00d6konomiegeb\u00e4ude; das Dach war mit Baumst\u00e4mmen abgest\u00fctzt. Die Lichtf\u00fchrung im Ladenbereich dient auch den angrenzenden R\u00e4umen, da sie Tageslicht bis tief ins umgebaute Geb\u00e4ude bringt und die beiden Geschosse visuell miteinander verbindet. Ein neuer Aufzug bildet das zentrale Element, um das Restaurant barrierefrei nutzen zu k\u00f6nnen. |<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausf\u00fchrung der ersten Etappe zeigt, welche Richtung die Gesamtsanierung nehmen k\u00f6nnte. Im Vordergrund steht eine unaufdringliche und r\u00e4umlich pr\u00e4zise Architektur, die sich in einer ebenso akkuraten handwerklichen Umsetzung \u00e4u\u00dfert. An den W\u00e4nden zeigt sich diese Haltung im rift bis halbrift geschnittenen Eschent\u00e4fer, das gro\u00dfteils aus dem eigenen Forst stammt. Der Boden besteht aus s\u00e4gerauer Esche, die ebenfalls aus dem Propsteiwald stammt; Die M\u00f6bel sind nach Pl\u00e4nen der Architekten gebaut. Die entwerferische Haltung \u00e4u\u00dfert sich in vielen Details, zum Beispiel in den geschmiedeten Handl\u00e4ufen der Treppen. Ihre handwerkliche Herkunft bleibt eindeutig ablesbar, aber sie ist frei von Zierrat, der dies demonstrativ unterstreichen w\u00fcrde. Dieser Ausdruck einer n\u00fcchternen und dem Material entsprechenden Machart ist zeitlos \u2013 er bildet den gemeinsamen Nenner und das verbindende Element der Epochen, die in der Propstei aufeinander sto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Nutzung als Basis<\/strong><br>Doch auch die Gegenwart hat ihren Platz im Umbau erhalten: \u00dcber den Hof hinweg bietet im Eingangsbereich ein Panoramafenster einen wunderbaren Blick ins Tal. Da die Wand ohnehin unterfangen werden musste, bot sich die Gelegenheit, mit diesem gro\u00dfen Fenster das 21. Jahrhundert in die Klosteranlage einzuschreiben. Ebenso zeigt sich der Anbau, in dem die neue K\u00fcche untergebracht ist, den Anforderungen entsprechend als zeitgen\u00f6ssischer, funktionaler Holzbau. Die L\u00fcftungsfl\u00fcgel sind in den Rahmen der gro\u00dfen Festverglasungen integriert, die unumg\u00e4nglichen Fliegengitter als geometrisches Ornament ausgestanzt.<\/p>\n\n\n\n<p>An jenen Stellen jedoch, die nur sorgf\u00e4ltige Erg\u00e4nzungen erfuhren, steht die historische Substanz im Mittelpunkt. Den H\u00f6hepunkt der ersten Etappe bildet der \u201eSpycher-Saal\u201c, der einst als Heustock f\u00fcr den darunter liegenden Pferdestall diente. In seinen dicken Mauern sind schmale, stehende Fenster\u00f6ffnungen eingelassen, die mit Blei eingefasst an verspielte Schiessscharten erinnern. \u00dcber dem Saal ruht ein imposanter intakter Dachstuhl aus dem Jahre 1683, der aus statischen Gr\u00fcnden um wenige Balken erg\u00e4nzt werden musste. Um die Atmosph\u00e4re auf das Maximum zu verdichten, ist der Saal auf das Wesentliche reduziert. Nichts verstellt den Blick auf die Konstruktion und die rauen Mauern mit Originalputz aus dem 17. Jh.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Schritt f\u00fcr die Erneuerung der Propstei ist getan und die Richtung eingeschlagen: Eine gute Nutzung ist der beste Schutz f\u00fcr ein Baudenkmal \u2013 seine sensible Erweiterung die Basis, dass diese Nutzung auch in Zukunft attraktiv bleibt.<br>||<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bauen an der Geschichte \u2013 Erweiterung Propstei St. Gerold. Die Propstei Sankt Gerold war in den 1960er-Jahren bauf\u00e4llig und unternutzt. Seit jedoch Pater Nathanael Wirth die F\u00fchrung \u00fcbernommen hatte, entwickelte sie sich zu einem Ort der Begegnung und der Kultur. 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