{"id":74927,"date":"2023-10-11T11:14:39","date_gmt":"2023-10-11T09:14:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/?post_type=projekt&#038;p=74927"},"modified":"2026-03-31T09:08:06","modified_gmt":"2026-03-31T07:08:06","slug":"ykk-passivetown-kurobe","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/projekt\/ykk-passivetown-kurobe\/","title":{"rendered":"YKK Passive Town, Kurobe"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Holzbau als Gratwanderung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die beschauliche K\u00fcstenstadt Kurobe erstreckt sich \u00fcber fruchtbares Schwemmland zwischen den markanten Gipfeln der Hida-Alpen und dem Japanischen Meer. Seit 1955 wird die Region von der Firma YKK gepr\u00e4gt, die sich vom Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Rei\u00dfverschl\u00fcsse zu einem diversifizierten Konzern etabliert hat. Durch Arbeitspl\u00e4tze, Wohn- und Bildungseinrichtungen sowie kulturelle F\u00f6rderung entwickelte sich der Ort zu einer lebendigen Gemeinschaft, die eng mit dem Unternehmen verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Eigent\u00fcmer Tadahiro Yoshida ist der Initiator des Leuchtturmprojekts YKK Passive Town, das nachhaltiges und energiebewusstes Wohnen auf innovative Weise umsetzt. Durch einen Direktauftrag f\u00fcr den 5. Bauabschnitt sahen sich HK Architekten mit der anspruchsvollen Aufgabe konfrontiert, kontempor\u00e4ren Holzbau mit hohem Vorfertigungsgrad unter den komplexen Rahmenbedingungen Japans zu erproben. Ausgesprochen strenge Baugesetze, vor allem zu Erdbebensicherheit und Brandschutz, gestalteten diese Herausforderung als architektonische und konstruktive Gratwanderung. Denn erstmals bei einem Bauvorhaben in gro\u00dfem Ma\u00dfstab wurde maximale Vorfertigung mit der Verwendung lokaler Holzressourcen verbunden. So entstand eine \u00fcberzeugende Symbiose aus Regionalit\u00e4t, technischer Pr\u00e4zision und sozialer Verantwortung, da die Arbeit in gesch\u00fctzten Werkhallen auch \u00e4lteren und vulnerablen Menschen einen Platz im Bauwesen sichert.~<\/p>\n\n\n\n<p>Eingewoben in den abwechslungsreich gestalteten Bewohnerpark manifestiert das Ensemble markante st\u00e4dtebauliche Pr\u00e4senz. Drei solit\u00e4re Wohnt\u00fcrme mit quadratischem Grundriss und sechs bis sieben Stockwerken verleihen der Anlage Profil. Die Gestaltung der H\u00e4user folgt den Prinzipien des konstruktiven Holzhybridbaus, als subtile Hommage an die traditionelle japanische Architektur und Handwerkskunst. \u00dcber infrastrukturell genutzten Erdgeschossen entwickeln sich kompakte Wohnungen, die \u00fcber eine zentrale Scherentreppe erschlossen werden. In allen Einheiten bleibt die Holzstruktur der Verbunddecken sichtbar, w\u00e4hrend die B\u00f6den mit schlanken Sugi-Brettern belegt sind. \u00dcber gedeckte Balkone \u00f6ffnen sich die Apartments zum Gr\u00fcnraum und zu den Bergsilhouetten am Horizont.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine filigrane Passerelle verbindet die Wohngeb\u00e4ude mit der Garage und den Gemeinschaftsr\u00e4umen. Sie dient nicht nur als gesch\u00fctzte Erschlie\u00dfung bei h\u00e4ufigem Starkregen, sondern bietet auch&nbsp; Begegnungsfl\u00e4chen sowie einen Ort f\u00fcr den monatlichen Markt mit regionalen Produkten. Ein Mehrzwecksaal kann sowohl als Coworking-Space als auch als Veranstaltungslokal mit K\u00fcche genutzt werden. Die M\u00f6bel wurden von HK Architekten entwickelt und sind aus den B\u00e4umen gefertigt, die f\u00fcr die Neubauten auf dem Grundst\u00fcck weichen mussten. Der organisch geformte Gemeinschaftspavillon, die sogenannte \u201eStube\u201c, bildet das bauliche und soziale Herz der Anlage. Sie er\u00f6ffnet einen inspirierenden Raum, der nachbarschaftliche Aktivit\u00e4ten wie Yoga oder Konzerte erm\u00f6glicht und das Miteinander f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Kernpunkt der strukturellen und tektonischen Konzeption war die Herausforderung, den Werkstoff Holz bei hohen Geb\u00e4uden selbst unter restriktiven Planungsparametern optimal als tragendes Material einzusetzen. So ruhen die Wohnt\u00fcrme auf gro\u00dffl\u00e4chigen Fundamenten, in denen massive Treppensch\u00e4chte verankert sind. Da angesichts des ozeanischen Klimas in Kurobe eine schnelle, witterungsgesch\u00fctzte Bauweise entscheidend war, wurden zwischen vorgefertigten Holzst\u00fctzen geschossweise Fassadenelemente mit integrierten Fenstern montiert, auf welche Betonfertigteilbalken und Holz-Beton-Verbunddecken folgten. Diese Methode erm\u00f6glichte eine regensichere Errichtung von unten nach oben und verk\u00fcrzte die Montagezeit gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen Baustellen um mehr als die H\u00e4lfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zu Europa erforderten die komplexen Rahmenbedingungen sehr aufw\u00e4ndige Detaill\u00f6sungen und Bauteilaufbauten. Die Decken tragen im Brandfall ausschlie\u00dflich \u00fcber die Betonschicht, die Holzst\u00fctzen sind 120 Minuten feuerbest\u00e4ndig, und der Brand\u00fcberschlag wird durch metallverkleidete Br\u00fcstungen verhindert. Trotz dieser Ma\u00dfnahmen bleibt Holz als pr\u00e4gender Werkstoff im gesamten Projekt sichtbar und sp\u00fcrbar. Die Fassadenelemente sind mit s\u00e4gerauen Verschalungen belegt und durch Naturharzbeschichtungen in gedeckten Farbt\u00f6nen gesch\u00fctzt. Speziell entwickelte und selbst produzierte&nbsp; Holz-Alu-Schiebefenster von YKK markieren zugleich die ersten Schritte des Unternehmens in dieser Disziplin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ensemble setzt auch neue Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr energiesparendes Wohnen. Hochw\u00e4rmeged\u00e4mmte Geb\u00e4udeh\u00fcllen, kompakte Bauweisen und gezielte sommerliche K\u00fchlung schaffen Komfort bei minimalem Verbrauch. Dezentrale Luftw\u00e4rmepumpen \u00fcbernehmen die Klimatisierung und werden durch Photovoltaik unterst\u00fctzt. Im Erdgeschoss eines Wohnturmes verwandelt eine Power-to-Gas-Anlage \u00fcbersch\u00fcssigen Solarstrom in Wasserstoff, der im Winter die Energieversorgung sichert, wobei die Emissionen dieses Null- oder Plusenergiehauses bei einem F\u00fcnftel von Standardgeb\u00e4uden liegen. Zudem reduziert die Hybridbauweise den CO\u2082-Aussto\u00df \u00fcber den gesamten Lebenszyklus um bis zu 50\u202f%.<\/p>\n\n\n\n<p>So verdeutlichen die aus dem Projekt resultierenden Erkenntnisse und Erfahrungen, dass die Kombination von innovativem Holzbau mit maximaler Vorfertigung und der Nutzung lokaler Ressourcen vielversprechende Perspektiven f\u00fcr die Weiterentwicklung mehrgeschossiger Holzbauten in Japan er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holzbau als Gratwanderung Die beschauliche K\u00fcstenstadt Kurobe erstreckt sich \u00fcber fruchtbares Schwemmland zwischen den markanten Gipfeln der Hida-Alpen und dem Japanischen Meer. Seit 1955 wird die Region von der Firma YKK gepr\u00e4gt, die sich vom Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Rei\u00dfverschl\u00fcsse zu einem diversifizierten Konzern etabliert hat. 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