{"id":93342,"date":"2026-07-11T14:13:08","date_gmt":"2026-07-11T12:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/?post_type=projekt&#038;p=93342"},"modified":"2026-07-11T14:15:11","modified_gmt":"2026-07-11T12:15:11","slug":"kinderoase-an-der-tum-muenchen","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/de\/projekt\/kinderoase-an-der-tum-muenchen\/","title":{"rendered":"Kinderoase an der TUM, M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gelassene Pr\u00e4senz im dichten Stadtraum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der kulturelle und akademische Puls der bayerischen Landeshauptstadt schl\u00e4gt nordwestlich des historischen Kerns von M\u00fcnchen. Die Maxvorstadt wurde im fr\u00fchen 19. Jahrhundert als erste planm\u00e4\u00dfige Stadterweiterung konzipiert und ist von einem schachbrettartigen Stra\u00dfennetz gepr\u00e4gt, das die weitl\u00e4ufigen Anlagen der zahlreichen Museen, Sammlungen und Bildungseinrichtungen r\u00e4umlich fasst. Die wechselvolle Geschichte des Quartiers kann unmittelbar aus den vielschichtigen \u00dcberlagerungen der baulichen Strukturen abgelesen werden. Eingebettet in diesen komplexen urbanen Kontext liegt das Stammgel\u00e4nde der 1868 gegr\u00fcndeten Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Hier entsteht in einer schmalen Baul\u00fccke vor dem k\u00fchlen Glaskubus der Mensa ein offen und licht gestaltetes Kinderhaus f\u00fcr den Nachwuchs der Studierenden und Mitarbeitenden der Institution.<\/p>\n\n\n\n<p>Initiiert wurde das Projekt durch eine private M\u00e4zenin als bauliches Geschenk an die Universit\u00e4t, das nach der Fertigstellung in deren Eigentum \u00fcbergeht. Die architektonische Konzeption entstand aus der bemerkenswerten Zusammenarbeit zweier Professoren der TUM. Francis K\u00e9r\u00e9, der 2022 als erster afrikanischer Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, entwickelte gemeinsam mit Hermann Kaufmann ein Geb\u00e4ude, das den experimentellen, sozialr\u00e4umlich motivierten Ansatz von K\u00e9r\u00e9 Architecture mit der konstruktiven und materialtechnischen Holzbau-Expertise von HK Architekten verbindet.~<\/p>\n\n\n\n<p>Der Standort ist durch eine au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Dichte an technischen und logistischen Rahmenbedingungen charakterisiert. Unterhalb der geplanten Bebauung verlaufen Fernw\u00e4rmeleitungen sowie ein gro\u00dfdimensionierter Haustechnikgang, der die Versorgung der benachbarten Mensa sicherstellt und weiterhin in Betrieb bleibt. Zus\u00e4tzlich ist die Fl\u00e4che durch t\u00e4gliche LKW-Anlieferungen frequentiert, die w\u00e4hrend der Bau- und Nutzungsphase aufrechterhalten werden m\u00fcssen. Diese infrastrukturellen Gegebenheiten beeinflussen die Geb\u00e4udekontur ebenso unmittelbar wie die engen Platzverh\u00e4ltnisse im Norden und Westen, die zu charakteristischen Schr\u00e4gstellungen und einer differenzierten Ausbildung der Bauk\u00f6rpergeometrie f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die programmatische Disposition des Kinderhauses reagiert auf die begrenzte Grundfl\u00e4che mit einer konsequent vertikalen Stapelung der Nutzungen. Im Erdgeschoss sind die infrastrukturellen und funktionalen Nebenr\u00e4ume sowie der Eingang mit Kinderwagenzone und Leitungsb\u00fcro angeordnet. Dar\u00fcber folgen die geschossweise organisierten Gruppenbereiche mit klarer Trennung von U3- und \u00dc3-Einheiten. Das dazwischenliegende OG2 bildet als funktionales Scharnier eine polyvalente Ebene, die Personal- und Gemeinschaftsfunktionen b\u00fcndelt. Den oberen Abschluss markiert der Eltern- und Begegnungsbereich mit einer Dachterrasse, die als \u201eHimmelswiese\u201c einen lichten Au\u00dfenraum mit weitem Blick \u00fcber der Stadt etabliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Als zentrales r\u00e4umliches und organisatorisches Element fungiert der vertikale Erschlie\u00dfungszylinder mit raumgreifender Wendeltreppe, der das Geb\u00e4ude als konstruktive Wirbels\u00e4ule durchzieht. Dieser wird durch ein separat gef\u00fchrtes Sicherheitstreppenhaus in Beton erg\u00e4nzt, das die Anforderungen an Flucht- und Rettungswege erf\u00fcllt. So entsteht eine klar lesbare Struktur, die trotz der baulichen Dichte Orientierung und Durchl\u00e4ssigkeit gew\u00e4hrleistet. Ein wesentliches konzeptuelles Element bildet der sogenannte \u201eSpielrucksack\u201c, als dreigeschossige, au\u00dferhalb der thermischen H\u00fclle liegende Sequenz von Aktivit\u00e4ts- und Bewegungsr\u00e4umen, deren Nutzung durch die Kinder den umgebenden Stadtraum auch akustisch belebt. \u00dcber Rutschen werden die Ebenen miteinander verbunden und erweitern die vertikale Organisation des Hauses um eine spielerische Form der Erschlie\u00dfung und Aneignung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der konstruktive Aufbau des Geb\u00e4udes basiert auf einem konsequenten Holzskelettsystem, in dem ausschlie\u00dflich die Bodenplatte sowie die separat gef\u00fchrte Fluchttreppe in Stahlbeton ausgebildet sind. Wegen der hohen brandschutztechnischen Anforderungen mussten zahlreiche Oberfl\u00e4chen jedoch mit Trockenbauelementen beplankt werden. Die Decken sind aus radial spannenden Platten ausgebildet und zur Schallabsorption mit akustisch wirksamen Bekleidungen versehen, w\u00e4hrend die Balkenstruktur als r\u00e4umlich pr\u00e4gendes Element ablesbar bleibt. Durch die sorgf\u00e4ltige Abstimmung der Materialien entfalten die Innenr\u00e4ume eine warme, fein differenzierte Atmosph\u00e4re, die den jungen Nutzern haptische Qualit\u00e4t und Behaglichkeit vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfz\u00fcgige, bodentiefe Verglasungen strukturieren die Fassaden und schaffen eine lebendige visuelle Verbindung zum umgebenden Stadtraum, wodurch das Geb\u00e4ude trotz seiner hohen funktionalen Dichte durchl\u00e4ssig und offen bleibt. Ein fein gearbeitetes Kleid aus Cortenlamellen \u00fcberlagert das Volumen und verleiht dem Bauk\u00f6rper eine monolithische Anmutung. So greifen im Spannungsfeld des vielschichtigen urbanen Gef\u00fcges Nutzung, Konstruktion und Raum pr\u00e4zise ineinander und verdichten sich zu einer koh\u00e4renten baulichen Struktur, die dem heterogenen Umfeld mit gelassener Pr\u00e4senz begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gelassene Pr\u00e4senz im dichten Stadtraum Der kulturelle und akademische Puls der bayerischen Landeshauptstadt schl\u00e4gt nordwestlich des historischen Kerns von M\u00fcnchen. Die Maxvorstadt wurde im fr\u00fchen 19. Jahrhundert als erste planm\u00e4\u00dfige Stadterweiterung konzipiert und ist von einem schachbrettartigen Stra\u00dfennetz gepr\u00e4gt, das die weitl\u00e4ufigen Anlagen der zahlreichen Museen, Sammlungen und Bildungseinrichtungen r\u00e4umlich fasst. 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