{"id":26077,"date":"2016-05-11T12:55:33","date_gmt":"2016-05-11T10:55:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elmar-schmidinger.at\/hk5\/projekt\/schmuttertal-gymnasium-diedorf\/"},"modified":"2025-10-20T09:04:24","modified_gmt":"2025-10-20T07:04:24","slug":"schmuttertal-gymnasium-diedorf","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/projekt\/schmuttertal-gymnasium-diedorf\/","title":{"rendered":"Schmuttertal Gymnasium, Diedorf"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine zukunftssichere Umgebung, die mehr Energie erzeugt, als sie ben\u00f6tigt.<\/strong><\/p>\n<p>Das Schmuttertal Gymnasium in Diedorf ist eine Schule mit Modellcharakter. Sie erreicht die Ziele der Nachhaltigkeit und P\u00e4dagogik mit den ureigenen Mitteln der Architektur: Vielf\u00e4ltig zu nutzende R\u00e4ume bieten Platz f\u00fcr selbst\u00e4ndiges Lernen, die klare Struktur des Holzskelettbaus erlaubt es, auch in Zukunft auf neue p\u00e4dagogische Konzepte zu reagieren. Um die akustische Behaglichkeit zu steigern, wurden die Oberfl\u00e4chen der R\u00e4ume in einem aufw\u00e4ndigen Prozess entwickelt. Als Plusenergiehaus erzeugt das Gymnasium Diedorf mehr Energie, als sein Betrieb ben\u00f6tigt.<\/p>\n<h4>\u00bbSchulen sind wichtige Geb\u00e4ude in der Entwicklung eines Menschen. Wer erinnert sich nicht zur\u00fcck an seine \u201eSchule\u201c? Hier erf\u00e4hrt ein junger Mensch ganz intensiv, wie R\u00e4ume, Materialien, Stimmungen, im eigentlichen Sinn also Architektur Einfluss auf das Befinden eines Menschen hat. Als Architekt tr\u00e4gt man Verantwortung daf\u00fcr, dass das Schulgeb\u00e4ude zum Wohlbefinden seiner Benutzer und damit indirekt zu einem h\u00f6heren Lernerfolg beitr\u00e4gt.\u00ab<\/h4>\n<h5>Univ.-Prof. Arch. DI Hermann Kaufmann<\/h5>\n<h4>\u00bbDer Holzbau hat sein Ma\u00df \u2013 die Brettl\u00e4nge etwa. Wie mache ich den Sto\u00df? Wir haben einen geringen Vorsprung eingef\u00fchrt. Holzbau ist nichts f\u00fcr die platonische Geometrie. Er hat Spannung, Leben, Sentiment.\u00ab<\/h4>\n<h5>DI Florian Nagler<\/h5>\n<p>|Lernlandschaften bilden das didaktische Grundger\u00fcst, in dem die Jugendlichen das Lernen selbst erlernen. Damit erwerben sie Methoden, sich Wissen anzueignen und aktiv am Unterricht teilzunehmen \u2013 ein ganzes Leben lang. Die Teilhabe begann schon bei der Planung: In einem partizipativen Prozess haben die Lernenden und Lehrenden die Gestalt ihrer Schule mitbestimmt.<\/p>\n<p>Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, stehen Architektur und Technik im Einklang: Die Grundlage daf\u00fcr bildet die integrale Planung, die r\u00e4umliche, statische und technische Aspekte unter ein Dach bringt. Wie diese Faktoren am Schmuttertal Gymnasium zusammenspielen, untersucht die Deutsche Bundesstiftung Umwelt als Forschungsprojekt \u2013 damit das Modell \u201eDiedorf\u201c auch f\u00fcr andere Schulen nutzbar gemacht werden kann. Das einzig Konstante ist der Wandel. Diese Binsenwahrheit hat weitreichende Auswirkungen auf die Architektur von Schulh\u00e4usern: Die Planer m\u00fcssen die Zukunft der P\u00e4dagogik vorausahnen und trotzdem klare Strukturen und pr\u00e4zise zugeschnittene R\u00e4ume f\u00fcr die Gegenwart entwerfen. Als \u00f6ffentliches Geb\u00e4ude soll ein Schulhaus dar\u00fcber hinaus Anforderungen an energetische und soziale Nachhaltigkeit erf\u00fcllen. All diese Vorgaben erf\u00fcllt das Gymnasiums in der Marktgemeinde Diedorf im Landkreis Augsburg als Holzbau mit einer starken und schl\u00fcssigen Struktur.<\/p>\n<p>~<\/p>\n<h3>Die Zusammenh\u00e4nge durchleuchten<\/h3>\n<p>Flexibilit\u00e4t und Vielfalt in der Nutzung entscheiden wesentlich \u00fcber die Nutzungs- und Lebensdauer eines Geb\u00e4udes. Wenn sich eine Schule mit einfachen Mitteln an ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen anpassen l\u00e4sst, bleibt sie l\u00e4nger stehen und spart dadurch die Energie, die f\u00fcr einen Ersatzbau n\u00f6tig w\u00e4re. |Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Schmuttertal Gymnasium in Diedorf als Forschungsvorhaben ausgew\u00e4hlt, um folgende Projektziele zu untersuchen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Planung ist integral und zukunftsweisend<\/li>\n<li>Die Konstruktion erfolgt als Plusenergiestandard in Holzbauweise<\/li>\n<li>Lernlandschaften bilden das p\u00e4dagogische Grundger\u00fcst des Hauses<\/li>\n<li>Alle Ziele werden gemessen und untersucht<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Vier Bauk\u00f6rper, ein Prinzip<\/h3>\n<p>Das Gymnasium besteht aus vier Geb\u00e4uden: Zwei Klassenh\u00e4user, eine Turnhalle und ein Trakt f\u00fcr zentrale Nutzungen. Dadurch f\u00fcgt sich das beachtliche Volumen von rund 80&#8217;000 m\u00b3 vertr\u00e4glich in die sensible Landschaft am Rand des Naturparks Augsburg ein. Die Kombination von gro\u00dfen Volumen mit leicht geneigten D\u00e4chern zitiert die landwirtschaftlichen Bauten in der Region \u2013 die dreigeschosseigen Bauten wahren die Proportionen der Scheunen, auf die sie sich beziehen, auch wenn sie um einiges gr\u00f6\u00dfer sind.<\/p>\n<p>Die gesamte Schulanlage durchzieht ein Raster von 2.70 m von Osten nach Westen. Dieser Rapport verbindet die vier H\u00e4user als kleinste, durchgehende Einheit. In der Gegenrichtung variiert die Breite des Rasters je nach Nutzung. So sind zum Beispiel die Klassenzimmer aus neun Feldern bei einer Feldgr\u00f6sse von jeweils 2,70 m x 2.70 m aufgebaut (3 auf 3). Gr\u00f6\u00dfere R\u00e4ume wie Lernlandschaften und Aula hingegen erstrecken sich \u00fcber mehrere Felder, die je nach Spannweite \u00fcber entsprechend h\u00f6here Tr\u00e4ger verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die beiden Klassenh\u00e4user (im Norden und Westen) sind in Schichten organisiert: Die Klassenr\u00e4ume bilden die \u00e4u\u00dferste Schicht im S\u00fcden und Norden, in der Mitte liegen im Erdgeschoss Nebenr\u00e4ume, w\u00e4hrend sich in den oberen Stockwerken die Lernlandschaften mit Luftr\u00e4umen abwechseln. In dieser anregenden Schnittfigur dringt das Tageslicht \u00fcber Oberlichter und schedartige Dachfenster tief ins Geb\u00e4ude ein. Ein Mikrosonnenschutzraster, der auf den horizontalen Fensterfl\u00e4chen liegt, reflektiert direktes Sonnenlicht, w\u00e4hrend er das diffuse, wei\u00dfe Tageslicht durchl\u00e4sst. Besonders die Marktpl\u00e4tze profitieren dadurch von blendfreiem Tageslicht.<\/p>\n<p>Die schichtweise Anordnung im Grundriss findet eine Entsprechung im Abschluss der Klassenr\u00e4ume gegen innen. Eine raumhaltige Wand mit verschiedenen Funktionen trennt sie vom Zentrum ab. Zum Teil sind darin M\u00f6bel wie Regale, Schr\u00e4nke oder Trinkbrunnen untergebracht. In diesen Trennw\u00e4nden liegen aber auch die zentralen Steigsch\u00e4chte der Haustechnik. Dank gro\u00dfer Verglasungen sind die Klassenzimmer mit den Lernlandschaften verbunden.<\/p>\n<p>|Das zweigeschossige Haus im S\u00fcden beherbergt die gemeinsam genutzten R\u00e4ume wie Bibliothek, Musikr\u00e4ume, Mensa, Pausenhalle und Verwaltung. Die Aula wird auf drei Seiten von einem Kranz aus Zimmern gefasst. Im Osten steht die Dreifachturnhalle mit s\u00fcdlich gelegenen Nebenr\u00e4umen. Wegen der gr\u00f6\u00dferen Spannweiten sind die Tr\u00e4ger st\u00e4rker ausgebildet.<\/p>\n<h3>Modularit\u00e4t \u2013 zukunftsweisende Planung<\/h3>\n<p>Der Holzbau nutzt eine durchgehende digitale Datenkette von der Planung \u00fcber die Fertigung bis zur Montage auf der Baustelle. Diese Entwurfs- und Herstellungsmethode bietet eine effiziente und rationale Fertigung mit sehr kurzer Bauzeit. Dank modularer Bauweise entstand ein Geb\u00e4ude, das bereits im Rohbau die Qualit\u00e4ten des fertigen Schulhauses aufweist. Darin liegt der Grund f\u00fcr die Flexibilit\u00e4t \u2013 die Holzkonstruktion bietet einen Rahmen f\u00fcr unterschiedliche R\u00e4ume und verschiedene p\u00e4dagogische Konzepte.<\/p>\n<p>Die Effizienz dieses Ansatzes baut auf der pr\u00e4zisen Planung der Schnittstellen auf. Wie die Zahnr\u00e4der eines Uhrwerks greifen Planung, Fertigung und Montage ineinander: Auf der Baustelle f\u00fcgen sich die Teile zu einem schl\u00fcssigen Ganzen. Struktur und Raum bilden eine Einheit, denn das sichtbare Tragwerk bildet die Grundlage f\u00fcr die r\u00e4umliche Vielfalt des Hauses.<\/p>\n<h3>Energie \u2013 Architektur und Technollogie im Einklang<\/h3>\n<p>Das Gymnasium Diedorf erzeugt mehr Energie als es ben\u00f6tigt. Dies ist einerseits der fortschrittlichen Technik geschuldet, denn es kommen ausschlie\u00dflich energiesparende Technologien zum Einsatz und auf den D\u00e4chern bietet die Photovoltaik-Anlage eine Nennleistung von 440 kWp. Genauso wichtig ist der architektonische Entwurf. Das Ensemble aus vier Geb\u00e4uden h\u00e4lt dank einer vorteilhaften H\u00fcllkennzahl die Oberfl\u00e4che gering und nutzt gleichzeitig \u00fcber eine raffinierte Lichtf\u00fchrung das Tageslicht optimal. Mit Holz kommt ein nachwachsender Baustoff zum Einsatz, der nur wenig graue Energie ben\u00f6tigt und der eine neutrale CO<sub>2<\/sub>-Bilanz erm\u00f6glicht. Der Beton der Holz-Beton-Verbunddecke bringt Masse in Haus und d\u00e4mpft dadurch die Schwankungen im Temperaturverlauf. Kopf, Herz und Hand \u2013 das p\u00e4dagogische Dreigestirn von Heinrich Pestalozzi \u2013 liegen im Entwurf des Gymnasiums von Diedorf im Einklang.<\/p>\n<h3>P\u00e4dagogik \u2013 Landschaften des Lernens<\/h3>\n<p>Das gro\u00dfz\u00fcgig dimensionierte Tragwerk aus Holz bildet eine optimale Struktur f\u00fcr neue Formen der Wissensvermittlung. Au\u00dferhalb der Klassen k\u00f6nnen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die R\u00e4ume nutzen, um sich die Methoden des Lernens anzueignen. Diese Lernlandschaften bieten die r\u00e4umliche Basis f\u00fcr zuk\u00fcnftige p\u00e4dagogische Entwicklungen und sie helfen den Jugendlichen, ihr Wissen lebenslang zu aktivieren.<\/p>\n<p>|Die oben erw\u00e4hnten Ziele des Projekts erscheinen auf den ersten Blick sehr technisch \u2013 doch der Modellcharakter des Gymnasiums geht weit dar\u00fcber hinaus: Die Nachhaltigkeit spiegelt sich nicht nur in einer ausgekl\u00fcgelten Technik wieder. Es r\u00fccken vielmehr die ureigenen Mittel der Architektur in den Mittelpunkt, um Antworten auf die dr\u00e4ngenden Probleme nach Energie und M\u00e4\u00dfigung zu finden. Statt diese Fragen an die Haustechnik zu delegieren, gelingt es den Entwerfern im Gymnasium Diedorf, durch eine leistungsf\u00e4hige Struktur und intelligent gesetzte R\u00e4ume ein Haus f\u00fcr Generationen zu bauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine zukunftssichere Umgebung, die mehr Energie erzeugt, als sie ben\u00f6tigt. Das Schmuttertal Gymnasium in Diedorf ist eine Schule mit Modellcharakter. Sie erreicht die Ziele der Nachhaltigkeit und P\u00e4dagogik mit den ureigenen Mitteln der Architektur: Vielf\u00e4ltig zu nutzende R\u00e4ume bieten Platz f\u00fcr selbst\u00e4ndiges Lernen, die klare Struktur des Holzskelettbaus erlaubt es, auch in Zukunft auf neue [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":39660,"template":"","tags":[],"publik":[975],"projekt-art":[959,957],"projekt-land":[939],"projekt-status":[943],"projekt-kategorie":[918],"projektphase":[],"class_list":["post-26077","projekt","type-projekt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","publik-projektbeschreibung","projekt-art-forschung","projekt-art-neubau","projekt-land-deutschland","projekt-status-fertiggestellt","projekt-kategorie-bildung","projektkategorie-auswahl","projektkategorie-bildung","projektkategorie-forschung","projektkategorie-oeffentlich","projektkategorie-sport"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt\/26077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projekt"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/39660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26077"},{"taxonomy":"publik","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/publik?post=26077"},{"taxonomy":"projekt-art","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-art?post=26077"},{"taxonomy":"projekt-land","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-land?post=26077"},{"taxonomy":"projekt-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-status?post=26077"},{"taxonomy":"projekt-kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projekt-kategorie?post=26077"},{"taxonomy":"projektphase","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/wp-json\/wp\/v2\/projektphase?post=26077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}