{"id":26126,"date":"2016-05-11T12:57:41","date_gmt":"2016-05-11T10:57:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elmar-schmidinger.at\/hk5\/projekt\/nebelhornbahn-gipfelrestaurant\/"},"modified":"2025-10-20T09:01:21","modified_gmt":"2025-10-20T07:01:21","slug":"nebelhornbahn-gipfelrestaurant","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/www.hkarchitekten.at\/v80\/de\/projekt\/nebelhornbahn-gipfelrestaurant\/","title":{"rendered":"Gipfelrestaurant Nebelhorn, Oberstdorf"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eleganz am Gipfel.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Berggipfel zu bauen ist immer ein Kraftakt \u2013 was man dem Resultat aber nicht immer ansehen muss. Das neue Gipfelrestaurant auf dem 2&#8217;224 m hohen Nebelhorn l\u00e4sst sich die Anstrengungen und M\u00fchen nicht anmerken, die seine Errichtung erfordert hatte. Elegant nimmt es sich zur\u00fcck und stellt damit das pure Naturerlebnis in den Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Bergspitze in Szene zu r\u00fccken, wurde das Geb\u00e4ude von der Seilbahn abgesetzt und damit das Plateau freiger\u00e4umt, auf dem die Besucherinnen und Besucher ankommen. So bleibt der Blick auf den Gipfel frei, denn das Restaurant befindet sich unterhalb der Ankunftsebene. Auf der Oberseite steht lediglich ein Pavillon, der als Eingang zum Restaurant dient und ein offenes Bistro beherbergt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u00bbDie Leitidee war, den Gipfel wieder zu befreien, ihn in den Mittelpunkt zu r\u00fccken und erlebbar zu machen wenn man von unten hochschaut oder mit der Bahn zum Gipfel f\u00e4hrt.\u00ab<\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Univ.-Prof. Arch. DI Hermann Kaufmann<\/h5>\n\n\n\n<p>Formal nimmt das Restaurant eine eigenst\u00e4ndige Position ein: Jenseits von Alpenkitsch und geometrischen Zw\u00e4ngereien reizt es die konstruktiven und gestalterischen M\u00f6glichkeiten des Holzbaus aus. Die geschwungenen Linien der Terrasse folgen dem Gel\u00e4ndeverlauf, mit seinen abgerundeten Glasfronten bringt das Restaurant urbane Eleganz auf den Gipfel.<\/p>\n\n\n\n<p>Fertigung und Logistik legten enge Leitplanken fest: dank ihnen bleibt der Entwurf auf dem Boden, auch wenn er lustvoll die Mittel der Zeit aussch\u00f6pft. Mit diesem Spagat vereint das Gipfelhaus den Tourismus mit der rauen Welt des hochalpinen Raums; den m\u00fchelosen Aufstieg mit den Tugenden alpiner Traditionen.<br>~<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gipfel des Nebelhorns l\u00e4sst sich hindernisfrei erreichen und erkunden. In diesem kurzen Satz steckt die gesamte Herausforderung der Bauaufgabe auf 2\u2019224 m H\u00f6he; darin blitzt aber auch das eigenartige Verh\u00e4ltnis hervor, das Mensch und Natur im hochalpinen Tourismus verbindet. Was einst todesmutigen Abenteurern vorbehalten war, kann nun als Familienausflug mit Kinderwagen und Rollator bew\u00e4ltigt werden \u2013 inklusive G\u00e4nsehaut auf dem Skywalk, der 600 m \u00fcber der senkrechten Nordwand am Felsen klebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Geb\u00e4ude direkt unter der Bergspitze zu errichten, ist gestalterisch eine knifflige Aufgabe. Mit dem felsigen Gipfel und der atemberaubenden Aussicht kann ein Haus kaum mithalten und im Ausdruck ist der Grat zwischen Alpenkitsch und forcierter Geste sehr schmal. Das Bauen in dieser H\u00f6he ist dar\u00fcber hinaus eine bautechnische Herausforderung, die den gesamten Entwurf durchdringt: Der Transport mit der Bahn ist auf die Dimension einer Palette beschr\u00e4nkt und ein gew\u00f6hnlicher Helikopter kann maximal 900 kg G\u00fcter auf den Berg bringen. Dies engen Grenzen der M\u00f6glichkeiten zwingen die Planer, bez\u00fcglich Technik und Gestaltung zu Disziplin \u2013 was dem Entwurf sehr entgegen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00f6sung f\u00fcr beide Anforderungen liegt in einem hybriden Holzbau, der modernste Fertigungstechniken nutzt und diese auch zum Ausdruck bringt. Doch zuerst galt es, eine passende Anordnung des Geb\u00e4udes auf dem Gipfel zu finden. Das alte Gipfelrestaurant war im Stile eines Chalets erstellt und es hatte neben funktionalen M\u00e4ngeln \u2013 die sich mit wachsender touristischer Nachfrage \u00fcber die Jahre entwickelt hatten \u2013 vor allem eine Schw\u00e4che: das Haus verwehrte den Blick auf den Gipfel. Direkt an die Station der Bergbahn angebaut, verstellte es den ankommenden G\u00e4sten die Sicht auf die Spitze des Nebelhorns. F\u00fcr die Betreiber der Bahn war klar, dass dieses Manko mit einem Neubau behoben werden musste. Dass das Haus von der Bahn abr\u00fcckt, war damit vorgegeben. Doch der neue Entwurf geht noch einen entscheidenden Schritt weiter: Um die Ebene freizuspielen, auf der die Kabinen ankommen, verlegten die Architekten das eigentliche Restaurant unter die Ankunftsplattform. Auf dem Oberdeck steht nun lediglich ein Pavillon, dessen Glasfronten sich \u00f6ffnen lassen und der eine Bar und ein Bistro beherbergt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine Treppe in diesem Pavillon gelangen die Besucherinnen und Besucher auf die untere Ebene und ins Restaurant. Als Alternative k\u00f6nnen sie via Nordwand \u00fcber den Skywalk ebenfalls auf die untere Terrasse gelangen. F\u00fcr einen hindernisfreien Zugang sorgt ein Lift zwischen den beiden Stockwerken. Damit schafft das Gipfelrestaurant eine neue Topographie auf dem Berg: Die Ebene bildet das Niveau, an dem sich die Bauten orientieren und auf dem sich die G\u00e4ste bewegen. Die Terrasse wird begrenzt von einer geschwungenen Glasbr\u00fcstung, die mit ihrem Verlauf den H\u00f6henlinien des Berges folgt. Damit bettet sich die neue Bebauung in ihre Umgebung ein, sie schafft damit aber auch mehr \u00dcbersicht und Klarheit \u2013 und sie bietet die wichtigste Zutat f\u00fcr das Naturerlebins : Den freien Blick auf rund 400 Bergspitzen, inklusive dem Gipfel des Nebelhorns in allern\u00e4chster N\u00e4he.<\/p>\n\n\n\n<p>Die touristische Maxime nach einem unverstellten Blick lenkte auch die Gestaltung des Hauses. Von jedem Platz aus sollte die Sicht auf die Bergwelt ideal sein. Dies f\u00fchrte zu einem Entwurf, im dem die Nebenr\u00e4ume sich zum Berg hin befinden und die Gastr\u00e4ume in einem Band entlang der Talseite angeordnet sind. Damit steht fast jeder Tisch direkt an der gro\u00dfz\u00fcgigen Fensterfront, von der aus der Blick in die Alpen schweift. Und dort, wo sich die Tische in einer Nische auf der r\u00fcckw\u00e4rtigen Seite des Gastraums befinden, sind sie einen Tritt h\u00f6her angeordnet, um den Blick \u00fcber die K\u00f6pfe der Nachbarn hinweg zu erlauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ausdruck geht das Haus einen eigenen Weg, der sich an den Tugenden der alpinen Kultur orientiert: Im Zentrum standen der sparsame Umgang mit dem Material, die Nutzung von bereits bestehenden Strukturen und die Angemessenheit der baulichen Geste. Dass diese Tugenden nicht zwingend zu einem traditionell anmutenden Geb\u00e4ude f\u00fchren, beweist das Gipfelrestaurant eindr\u00fccklich: die verglasten Fronten und die Br\u00fcstungen aus gebogenem Glas bringen st\u00e4dtische Eleganz auf den Gipfel, die Fassade aus gefaltetem Kupferblech zeigt sich gleichzeitig widerstandsf\u00e4hig und zeitgen\u00f6ssisch. Selbst der Dachaufbau geht eine Symbiose von Form und Funktion ein: Um Schneeverwehungen auf dem Dach zu vermeiden, ist der Dachrand nahezu b\u00fcndig mit der Dachhaut. Dies f\u00fchrt zu einem klaren und reduzierten Detail, das sich aus den Bedingungen vor Ort ableitet. Als Folge musste die Dachhaut mit m\u00e4chtigen Steinen beschwert werden, die die Arbeiter rund um den Gipfel zusammengetragen haben. Die Dachaufsicht ist ein wichtiges Entwurfthema, denn die f\u00fcnfte Fassade des Pavillons liegt im Sichtfeld der Gipfelst\u00fcrmer. Ebenso die gro\u00dfe Plattform, die aus einem Holzrost besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort wo das Geb\u00e4ude den Berg ber\u00fchrt, ist die Konstruktion als Stahlbetonkonstruktion ausgef\u00fchrt. Sie nutzt die vorhandenen Fundamente und eine Platte des Bestandesgeb\u00e4udes. Auf dieser Basis steht der kombinierte Stahl-Holz-Bau des Restaurantgeb\u00e4udes: jedes Material wurde seinen St\u00e4rken entsprechend eingesetzt \u2013 immer unter der Pr\u00e4misse, m\u00f6glichst viel Gewicht zu sparen. Das Geschoss unter dem Restaurant wurde mit Steinen aus der Umgebung vorgemauert, von weitem gesehen liegen nun auf dieser Steinmauer abwechslungsweise die kupferfarbigen B\u00e4nder der eingepackten Deckenstirnen und die gl\u00e4sernen Br\u00fcstungen mit den zur\u00fcckgesetzten Fensterfronten. Die Bodenbel\u00e4ge und W\u00e4nde im Au\u00dfenraum sind in L\u00e4rche ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Inneren des Restaurants setzt sich die Einheit von Funktion und Gestaltung fort. W\u00e4nde und Decken sind mit Braunkernesche verkleidet, wobei die Decke als moduliertes Relief zu einer guten Akustik beitr\u00e4gt. Als Bodenbelag kommt ein Nadelfilz zum Einsatz, da die Skischuhe auf einen harten Boden einen unangenehmen L\u00e4rm erzeugen w\u00fcrden. \u00dcberall besticht das Gipfelrestaurant mit Ablagefl\u00e4chen, die in den Ausbau integriert sind: Helm, Handschuhe und Schal sollen einen angemessenen Platz finden. Ein paar Verweise auf die alpine Tradition sind erhalten geblieben. Aber auch sie stecken in einem modernen Kleid. Zwei \u00d6fen mit Kacheln der Keramikerin Marta Rauch spenden wohlige Strahlungsw\u00e4rme \u2013 mit Strom betrieben statt mit Holz \u2013 und \u00fcber ihnen lassen sich an einem h\u00f6lzernen Ger\u00fcst die Jacken und Kappen trocknen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Gipfelrestaurant wurde auch die Station der Seilbahn erneuert. Auch hier wiederholt sich die Strategie, auf dem Bestand aufzubauen und das Vorhandene so weit wie m\u00f6glich weiter zu verwenden: Die Bergstation mit ihrem Pultdach wurde kaum angetastet und um ein paar Nebenr\u00e4ume erg\u00e4nzt. Sie zeigt sich jetzt in der gleichen Grundform, einfach ein St\u00fcck gr\u00f6\u00dfer, um die einzelnen Teile zu einem ganzen zu f\u00fcgen, sind alle f\u00fcnf Fassaden mit Falzblechen aus Chromstahl eingefasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Alpencharme? Der wurde entstaubt und auf seine Tugenden zur\u00fcckgef\u00fchrt \u2013 auf den sparsamen und intelligenten Einsatz des Materials. Damit vereint das Bergrestaurant die Identit\u00e4t seiner Herkunft mit einer klaren Entwurfshaltung: Ein Einheimischer, der die Welt gesehen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eleganz am Gipfel. Auf einem Berggipfel zu bauen ist immer ein Kraftakt \u2013 was man dem Resultat aber nicht immer ansehen muss. Das neue Gipfelrestaurant auf dem 2&#8217;224 m hohen Nebelhorn l\u00e4sst sich die Anstrengungen und M\u00fchen nicht anmerken, die seine Errichtung erfordert hatte. 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