{"id":28761,"date":"2016-11-18T10:38:19","date_gmt":"2016-11-18T09:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elmar-schmidinger.at\/hk5\/?post_type=projekt&#038;p=28761"},"modified":"2025-07-28T17:18:08","modified_gmt":"2025-07-28T15:18:08","slug":"wettbewerb-rathaus-markdorf-d","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/ip217-154-147-205.pbiaas.com\/v80\/de\/projekt\/wettbewerb-rathaus-markdorf-d\/","title":{"rendered":"Rathaus, Markdorf"},"content":{"rendered":"<p>Die au\u00dfenr\u00e4umlichen Qualit\u00e4ten des historischen Ensembles werden durch wenige pr\u00e4zise Eingriffe herausgearbeitet. Der Turm wird vom massiven Treppenbauwerk befreit, und so in seiner Bedeutung und Wahrnehmung gest\u00e4rkt. Dadurch wird auch eine direkte Verbindung von Schlosshof zu Schlossgarten geschaffen. Die Stadtmauer im Bereich Schlossscheuer soll durch eine Reduktion der Wand- und Dach\u00f6ffnungen aus den 1980er Jahren wieder mehr ihrem urspr\u00fcnglichen Charakter entsprechen.<\/p>\n<p>Der Standort am Schlosshof soll in seiner zentralen \u00f6ffentlichen Bedeutung uns als Tor zur Altstadt gest\u00e4rkt werden.Alle Zug\u00e4nge sind zum Hof orientiert. Die Tiefgaragenerschlie\u00dfung wird vom Schlossgarten in den Schlosshof verlegt. Als r\u00e4umlicher Abschluss einer Seitengasse zur Marktstra\u00dfe, soll der Schlosshof zum Verweilen einladen.<br \/>\nNeben dem Rathaus braucht es eine zweite, gut frequentierte Nutzung die den Standort weiter st\u00e4rkt und auch wirtschaftlich zum Gelingen des Projektes beitr\u00e4gt. Dazu wird eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Gastronomie vorgeschlagen. Die Gastronomie ist direkt an den Sitzungsbereich angebunden, und verf\u00fcgt zusammen den weiteren R\u00e4umlichkeiten im Bischofsturm und der einmaligen Lage \u00fcber ein hohes Potential f\u00fcr Veranstaltungen aller Art.<br \/>\n~<br \/>\nEin einladendes und klares Erschlie\u00dfungskonzept ist Grundlage f\u00fcr den Erfolg und die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung.Der bestehende Eingang in der Symmetrieachse des feudalen Schlosses, ist historisch gewaschen und erscheint auch aus heutiger Sicht als klare Adresse f\u00fcr das Rathaus. Die labyrinthartige Erschlie\u00dfungsstruktur des Hotelkomplexes entspricht nicht den Anforderungen an eine moderne Stadtverwaltung mit einfacher Orientierung und kurzen Wegen. Zur Verbesserung der Erschlie\u00dfungssituation werden das Neue Schloss und der Turm auf allen drei Gescho\u00dfebenen direkt miteinander verbunden. Im Verbindungbau wird zudem das gemeinsame Sicherheitstreppenhaus samt Aufzug neu angeordnet. Eine gro\u00dfz\u00fcgige Erschlie\u00dfungsstra\u00dfe im 1. Obergeschoss verbindet den Sitzungsbereich in der Schlossscheuer direkt mit der Verwaltung. Mitarbeiter gelangen von der Tiefgarage direkt auf diese Verteilerebene.<br \/>\nAusgehend vom Empfang mit B\u00fcrgerservice werden die weiteren Verwaltungsbereiche \u00fcber die adaptierte Erschlie\u00dfungsstruktur bedient. Die oberen Gescho\u00dfe des Neuen Schloss und die Besucher WC im Untergescho\u00df werden durch neue Treppen direkt vom Foyer aus erreicht.<\/p>\n<p>Die Bereiche Gemeindeorgane und Hauptamt werden in den repr\u00e4sentativen Barockr\u00e4umen zentral in Eingangsn\u00e4he situiert. Das publikumsintensive Ordnungsamt nimmt das gesamte 2. Obergescho\u00df ein. Das Bauamt ist im Turm situiert, die Finanzverwaltung im Dachgescho\u00df der Schlossscheuer. Der Personalbereich ist zentral im Turm angeordnet. Die Marktstra\u00dfe 17 wird ebenfalls als Teil der Verwaltung genutzt, dies hat mehrerlei Gr\u00fcnde. Zum einen um m\u00f6glichst viel Platz f\u00fcr die Gastronomie und Eventnutzung im Bischofschloss freizuhalten. Zum anderen bietet sich das Stadtmarketing als Auftakt zur Marktstra\u00dfe an. Auch erscheint die Integration von Wohnungen, als hinderlich f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung des Rathaus-Ensembles. Die Personal- und EDV-Abteilung kann aus unserer Sicht am ehesten hier untergebracht werden, da gerade bei Personalgespr\u00e4chen ein hohes Ma\u00df an Diskretion gefragt ist.<\/p>\n<p>Durch die Verlegung des Sicherheitstreppenhauses, werden im Turm die beiden Gescho\u00dfe mit beeindruckender Eichenkonstruktion freigespielt. Durch die Anbindung an die Erschlie\u00dfung werden diese R\u00e4ume zudem gut zug\u00e4nglich und einsehbar. Der Raum im Erdgescho\u00df kann f\u00fcr Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden. Ein zus\u00e4tzliches Fenster auf die stadtabgewandte Westseite erscheint vertretbar und hilft den dr\u00fcckenden Raumeindruck zu verbessern. Die neu geschaffenen Verbindungen von Bischofschloss, Neuem Schloss und Schlossscheuer erfordern lediglich vier neue Wanddurchbr\u00fcche. Das Trauzimmer im Rittersaal wird durch das neue Treppenhaus nicht beeintr\u00e4chtigt, durch ein multifunktionales M\u00f6bel sind keine weiteren Raumeinbauten erforderlich. Um die beeindruckenden Dachst\u00fchle sp\u00fcrbar zu machen, soll das 6. Obergescho\u00df im Turm als B\u00fcroraum genutzt werden. Auch im neuen Schloss findet der Dachraum als Besprechungsraum eine sinnvolle Nutzung.<\/p>\n<p>Der Sitzungsbereich umfasst das gesamte 1. Obergeschoss der Schlossscheuer und ist durch mobile Trennw\u00e4nde flexibel nutzbar. Der Verwaltungsbereich ist \u00fcber eine Br\u00fccke direkt angebunden. Die Teek\u00fcche und das Foyer k\u00f6nnen f\u00fcr Veranstaltungen direkt von der K\u00fcche aus bedient werden. Der B\u00fcrgersaal bietet Blickbez\u00fcge zum Schlosshof, Schlossgarten und Hexenturm. Die Gastronomie im Erdgescho\u00df verf\u00fcgt \u00fcber einen Gastraum mit Gastgarten. Die Anlieferung erfolgt \u00fcber den Hof. Die WC-Anlage steht der Gastronomie, dem Sitzungsbereich und auch \u00f6ffentlich zur Verf\u00fcgung (zB Adventmarkt). Das gemeinsame Foyer kann au\u00dferhalb der \u00d6ffnungszeiten vom Tiefgaragenzugang abgetrennt werden. Der Gargenzugang kann so 24h ge\u00f6ffnet bleiben. Um etwaige Nutzungskonflikte auszuschlie\u00dfen ist f\u00fcr die Garage ein separater Aufzug vorgesehen.<\/p>\n<p>Entgegen des Hotelbaus aus den 1980er Jahren wo versucht wurde durch Verschmelzung von Alt und Neu eine Synthese zu schaffen, schl\u00e4gt der vorliegende Entwurf eine bewusste Trennung der Formensprachen vor. Das architektonische Konzept verfolgt das Ziel durch ein bewusstes Neben- und \u00dcbereinander der verschiedenen zeitlichen Sedimentationsschichten einen gestalterischen Spannungsbogen aufzubauen. Dabei f\u00fcgt sich der Neubau durch stark reduzierte Form- und Materialwahl in das bestehende Ensemble ein.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Turm ist ein Sicherheitstreppenhaus geplant. Die Rauchschleusen werden teilweise \u00fcber mobile Brandschutzelemente hergestellt. Die Entrauchung der Schleusen erfolgt \u00fcber die Fassade. Im Neubau der Schlossscheuer sind zwei Fluchttreppenh\u00e4user geplant, welche die Entfluchtung der Tiefgarage und Versammlungst\u00e4tte gew\u00e4hrleisten. Alle R\u00e4umlichkeiten der Schlossscheuer, sowie das Trauzimmer und der Ausstellungsraum im Turm werden mit einer kontrollierten Be- und Entl\u00fcftung vorgeschlagen. Zur Beheizung w\u00e4re eine W\u00e4rmepumpe mit Erdsonden die nachhaltigste L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Entgegengesetzte Pole ziehen sich an. Im Spannungsfeld von ebenem, hart gepr\u00e4gtem Schlossplatz und geneigtem, gr\u00fcn gefasstem Schlossgarten spannt sich ein sehr deutlich wahrnehmbarer thematischer Bogen auf, der die st\u00e4dtebauliche Bedeutung des Schlossensembles st\u00e4rkt und unterstreicht.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr den Schlossplatz vorgeschlagene Pflasterbelag aus mittel- bis dunkelgrauem Naturstein weicht bewusst vom restst\u00e4dtischen Porphyrbelag der 1980er Jahre ab. Der graue Belag vermag alle anstehenden Farben und Materialien in sich aufzunehmen und zusammenzubinden. Er bildet damit den notwendigen, optisch zur\u00fcckhaltenden Rahmen f\u00fcr das Zusammenfassen der deutlich wahrnehmbaren historischen Sedimentationsschichten. \u00dcber den pixelartigen \u00dcbergang gleitet der Besucher damit stufenlos vom Stadtk\u00f6rper in die Besonderheit des Schlosskomplexhofes. In Form gezogenes Spalierobst bedeckt die raumbegrenzende R\u00fcckwand der Nebengeb\u00e4ude. Ein massives Sitzelement aus Stein und Eiche korrigiert die abgeschr\u00e4gte Geb\u00e4udeecke. Ein niedriger aber gro\u00dfz\u00fcgiger Brunnen akzentuiert den mit mobiler M\u00f6blierung und stilgerechten K\u00fcbelpflanzen bespielten Innenhof, der nun f\u00fcr alle Arten von tempor\u00e4rer Nutzung bereit steht.<\/p>\n<p>In Anlehnung an die historisch belegte Gartennutzung der Stadtmauerbereiche wird der S\u00fcdhang als mit Schmuck- und Repr\u00e4sentationsfunktion angereicherter Nutzgarten interpretiert. Anstelle der regionaltypischen Weinreben pr\u00e4gt aber eine horizontale, den H\u00f6henschichtlinien folgende Staffel von blauregenbewachsenen Rankr\u00fcsten den Hang. Die Horizontalit\u00e4t kontrastiert und unterstreicht den wehrhaft-trutzigen Ausdruck des Turmes. Das Absturzproblem bei Unterf\u00fchrung und Tiefgarage kann zudem mit einem durchlaufenden Rankelement unauff\u00e4llig gel\u00f6st werden.<br \/>\nDer eingelegte Asphaltweg verbindet die anliegenden Einm\u00fcndungspunkte barrierefrei und erm\u00f6glicht ein horizontales und vertikales Erleben der Rankelementlinien. Ein aufgebordetes Sitzelement erm\u00f6glicht den kurzzeitigen Aufenthalt im Garten mit Blick auf Turm und Scheuer und den sich durch die Strassen w\u00e4lzenden Verkehrswurm. Der Fr\u00fchling f\u00e4rbt den gesamten Hang mittels abertausender Bl\u00fcten von Scilla, Krokus und Narzisse bunt ein. Darauffolgend wandelt sich der Hang zu einem imposanten Wasserfall aus weissen und blauen Glyzinienrispen. Nach der gelben Herbstf\u00e4rbung pr\u00e4gen die bizarr und malerisch gewundenen Aststrukturen der Glyzinie die unverwechselbare Erscheinung des nunmehr klassisch \u2013 modernen Schlossgartens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die au\u00dfenr\u00e4umlichen Qualit\u00e4ten des historischen Ensembles werden durch wenige pr\u00e4zise Eingriffe herausgearbeitet. Der Turm wird vom massiven Treppenbauwerk befreit, und so in seiner Bedeutung und Wahrnehmung gest\u00e4rkt. Dadurch wird auch eine direkte Verbindung von Schlosshof zu Schlossgarten geschaffen. 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