Kinderoase an der TUM, München

Standort
München
Fertigstellung
Juli 2026
Projektdaten
NRF 799,89 | BGF 1541,14 | BRI 4427,04

Gelassene Präsenz im dichten Stadtraum

Der kulturelle und akademische Puls der bayerischen Landeshauptstadt schlägt nordwestlich des historischen Kerns von München. Die Maxvorstadt wurde im frühen 19. Jahrhundert als erste planmäßige Stadterweiterung konzipiert und ist von einem schachbrettartigen Straßennetz geprägt, das die weitläufigen Anlagen der zahlreichen Museen, Sammlungen und Bildungseinrichtungen räumlich fasst. Die wechselvolle Geschichte des Quartiers kann unmittelbar aus den vielschichtigen Überlagerungen der baulichen Strukturen abgelesen werden. Eingebettet in diesen komplexen urbanen Kontext liegt das Stammgelände der 1868 gegründeten Technischen Universität München. Hier entsteht in einer schmalen Baulücke vor dem kühlen Glaskubus der Mensa ein offen und licht gestaltetes Kinderhaus für den Nachwuchs der Studierenden und Mitarbeitenden der Institution.

Initiiert wurde das Projekt durch eine private Mäzenin als bauliches Geschenk an die Universität, das nach der Fertigstellung in deren Eigentum übergeht. Die architektonische Konzeption entstand aus der bemerkenswerten Zusammenarbeit zweier Professoren der TUM. Francis Kéré, der 2022 als erster afrikanischer Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, entwickelte gemeinsam mit Hermann Kaufmann ein Gebäude, das den experimentellen, sozialräumlich motivierten Ansatz von Kéré Architecture mit der konstruktiven und materialtechnischen Holzbau-Expertise von HK Architekten verbindet.

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Der Standort ist durch eine außergewöhnlich hohe Dichte an technischen und logistischen Rahmenbedingungen charakterisiert. Unterhalb der geplanten Bebauung verlaufen Fernwärmeleitungen sowie ein großdimensionierter Haustechnikgang, der die Versorgung der benachbarten Mensa sicherstellt und weiterhin in Betrieb bleibt. Zusätzlich ist die Fläche durch tägliche LKW-Anlieferungen frequentiert, die während der Bau- und Nutzungsphase aufrechterhalten werden müssen. Diese infrastrukturellen Gegebenheiten beeinflussen die Gebäudekontur ebenso unmittelbar wie die engen Platzverhältnisse im Norden und Westen, die zu charakteristischen Schrägstellungen und einer differenzierten Ausbildung der Baukörpergeometrie führen.

Die programmatische Disposition des Kinderhauses reagiert auf die begrenzte Grundfläche mit einer konsequent vertikalen Stapelung der Nutzungen. Im Erdgeschoss sind die infrastrukturellen und funktionalen Nebenräume sowie der Eingang mit Kinderwagenzone und Leitungsbüro angeordnet. Darüber folgen die geschossweise organisierten Gruppenbereiche mit klarer Trennung von U3- und Ü3-Einheiten. Das dazwischenliegende OG2 bildet als funktionales Scharnier eine polyvalente Ebene, die Personal- und Gemeinschaftsfunktionen bündelt. Den oberen Abschluss markiert der Eltern- und Begegnungsbereich mit einer Dachterrasse, die als „Himmelswiese“ einen lichten Außenraum mit weitem Blick über der Stadt etabliert.

Als zentrales räumliches und organisatorisches Element fungiert der vertikale Erschließungszylinder mit raumgreifender Wendeltreppe, der das Gebäude als konstruktive Wirbelsäule durchzieht. Dieser wird durch ein separat geführtes Sicherheitstreppenhaus in Beton ergänzt, das die Anforderungen an Flucht- und Rettungswege erfüllt. So entsteht eine klar lesbare Struktur, die trotz der baulichen Dichte Orientierung und Durchlässigkeit gewährleistet. Ein wesentliches konzeptuelles Element bildet der sogenannte „Spielrucksack“, als dreigeschossige, außerhalb der thermischen Hülle liegende Sequenz von Aktivitäts- und Bewegungsräumen, deren Nutzung durch die Kinder den umgebenden Stadtraum auch akustisch belebt. Über Rutschen werden die Ebenen miteinander verbunden und erweitern die vertikale Organisation des Hauses um eine spielerische Form der Erschließung und Aneignung.

Der konstruktive Aufbau des Gebäudes basiert auf einem konsequenten Holzskelettsystem, in dem ausschließlich die Bodenplatte sowie die separat geführte Fluchttreppe in Stahlbeton ausgebildet sind. Wegen der hohen brandschutztechnischen Anforderungen mussten zahlreiche Oberflächen jedoch mit Trockenbauelementen beplankt werden. Die Decken sind aus radial spannenden Platten ausgebildet und zur Schallabsorption mit akustisch wirksamen Bekleidungen versehen, während die Balkenstruktur als räumlich prägendes Element ablesbar bleibt. Durch die sorgfältige Abstimmung der Materialien entfalten die Innenräume eine warme, fein differenzierte Atmosphäre, die den jungen Nutzern haptische Qualität und Behaglichkeit vermittelt.

Großzügige, bodentiefe Verglasungen strukturieren die Fassaden und schaffen eine lebendige visuelle Verbindung zum umgebenden Stadtraum, wodurch das Gebäude trotz seiner hohen funktionalen Dichte durchlässig und offen bleibt. Ein fein gearbeitetes Kleid aus Cortenlamellen überlagert das Volumen und verleiht dem Baukörper eine monolithische Anmutung. So greifen im Spannungsfeld des vielschichtigen urbanen Gefüges Nutzung, Konstruktion und Raum präzise ineinander und verdichten sich zu einer kohärenten baulichen Struktur, die dem heterogenen Umfeld mit gelassener Präsenz begegnet.

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