Vielschichtige Entfaltungsräume
Im Nordwesten der schwäbischen Donaumetropole Ulm erstreckt sich der Medizin- und Forschungsstandort Oberer Eselsberg. Eingebettet in den Campus des Bundeswehrkrankenhauses liegt hier die Kindertagesstätte Villa Sanigel. Innerhalb der streng orthogonalen Struktur der Spitalsanlage wird die städtebauliche Freiform des bestehenden Gebäudes durch den Neubau bewusst betont und räumlich fortgeschrieben. Seine Struktur leitet sich konsequent aus der vorhandenen Setzung ab. So werden beide Volumen organisatorisch und räumlich zu einer kohärenten Einheit verwoben und als eigenständiges, klar gefasstes Ganzes wahrgenommen.
Die Zugänge organisieren sich über einen gemeinsamen Vorplatz, um die eindeutige Adressbildung und intuitive Orientierung zu unterstützen. Durch die Ergänzung des Vordachs an der Westfassade und die raumbildende Wirkung eines transparenten Vorhangs aus schlanken Holzlamellen wird eine lichte Erschließungsspange geschaffen. Diese leitet die Nutzer und Besucher zum Eingang des Neubaus und schafft visuelle Bezüge zwischen den Innen- und Außenräumen. Ihre konische Form führt zu einer perspektivischen Verkürzung des Verbindungsweges, wodurch die Empfangsbereiche nicht nur funktional, sondern auch architektonisch miteinander verschränkt werden. Hier realisierte die Vorarlberger Medienkünstlerin Miriam Prantl ein farbenreiches „Kunst am Bau“-Projekt. Ihre Licht- und Klanginstallation lädt Kinder und Erwachsene zu einer atmosphärischen Raumerfahrung ein, bei der Wahrnehmung und Bewegung vielschichtig miteinander verknüpft werden.
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Das architektonische Konzept der Erweiterung beruht auf wenigen, klar definierten Grundsätzen. Der Baukörper setzt im Norden an das bestehende Volumen an und entwickelt sich Richtung Südosten. Zwischen den beiden Gebäudeflügeln entfaltet sich so ein geschützter Außenbereich, der sowohl Verbindung als auch Rückzug ermöglicht. Die innere Erschließung folgt der typologischen Logik des Bestandes und übersetzt sie in eine fein choreographierte räumliche Sequenz. Beim Eintreten wird der Blick entlang der zentralen Sichtachse auf den Mehrzweckraum gelenkt, der sich zur dahinter liegenden Grünfläche öffnet. Der Spielflur weitet sich zu einem großzügigen Essbereich, mit dem die gegenüberliegende Gemeinschaftsterrasse in räumlicher Korrespondenz steht. Von dieser Kernzone führt die Bewegungslinie weiter zur Schleuse in den Gartenbereich und zu den nach Süden orientierten Gruppenräumen, die optimal zu Tageslicht und Besonnung ausgerichtet sind.
Während das Gebäude von außen als homogener Baukörper wahrgenommen wird, kontrastiert die Materialisierung der neuen Innenräume bewusst mit dem Bestand. Hier sind Wände, Decken und Böden in warmen Holzoberflächen ausgeführt, zum Spielflur öffnen sich großzügige Glaselemente. So erleben die Kinder einen behaglichen Lern- und Erfahrungsraum, der zur kreativen Entfaltung anregt. In der konsequenten Umsetzung des Bauwerks als reine Holzkonstruktion spiegelt sich der Anspruch an Materialklarheit und architektonische Kohärenz wider. Die Ausführung der Wände erfolgte aus präzise gefertigten Holzrahmenelementen, während die Decken als massive Brettsperrholzplatten gefügt wurden. Die Dachflächen sind extensiv begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, wodurch eine nachhaltige und ökologisch verantwortungsbewusste Gebäudestrategie implementiert wird.




